Work-Life-Balance ist mittlerweile ein Schlagwort geworden, über welches in nahezu allen Branchen diskutiert wird. Zeit also, auch einmal über die Work-Life-Balance in der Zahnarztpraxis zu sprechen.

Was genau ist Work-Life-Balance eigentlich?

Allgemein versteht man unter einer ausgeglichenen Work-Life-Balance, dass Privat- und Berufsleben sich in etwa die Waage halten. Das Ziel ist es also, dass keiner der beiden Bereiche zuungunsten des anderen überhandnimmt.

Work-Life-Balance ist also im Grunde nichts anderes als das konkrete, individuelle Verhältnis zwischen Arbeits- und Privatleben.

Work-Life-BalanceFolgen einer unausgeglichenen Work-Life-Balance

Ist die Work-Life-Balance einseitig in Richtung Arbeit verschoben, kann das weitreichende Folgen haben – sowohl für den Menschen selbst als auch für sein Umfeld. So nimmt die Freude an der Arbeit und damit auch die Produktivität ab. Das kann zu weiterem Stress und Konflikten am Arbeitsplatz führen.

Auch die sozialen Kompetenzen leiden häufig unter dem Ungleichgewicht. Am Arbeitsplatz fallen Betroffene entweder durch Rückzug oder aber durch emotionale Instabilität und Gefühlsausbrüche auf. Im Privatleben fehlt oft die Kraft für soziale Kontakte, was zum Rückzug führt.

In der Folge können sich dann psychosomatische Symptome wie chronische Erschöpfung und Schlafprobleme bemerkbar machen. Wird nicht gegengesteuert, kommt es bei vielen Menschen zu psychischen Problemen wie Depressionen oder Burnout.

Wie entsteht eine unausgeglichene Work-Life-Balance?

Auch wenn viel über die Work-Life-Balance gesprochen wird, machen viele Menschen sich kein konkretes Bild davon. Daher besteht noch wenig Verständnis dafür, dass eine problematische Work-Life-Balance oft über Jahre schleichend entsteht. Es kann dann den Anschein haben, als würde ein Mensch plötzlich von Überlastung und Burnout überrollt werden.

Viele Betroffene sind am Anfang des Berufslebens, beim Wechsel zu einem neuen Arbeitgeber oder dem Start in die Freiberuflichkeit hoch motiviert. Sie geben immer alles und engagieren sich voll und ganz.

Nach einigen Jahren aber kommt Routine in das Arbeitsleben hinein. Die Motivation des Anfangs schwindet, die selbst auferlegten Aufgaben und Ziele aber bleiben. Dadurch entstehen Diskrepanzen, wir fühlen uns überfordert – unsere Work-Life-Balance scheint zunehmend unausgeglichener.

Work-Life-Balance in der Zahnarztpraxis

Gerade im medizinischen Bereich wird die Diskussion um Work-Life-Balance oft schnell weggewischt. Schließlich arbeiten wir in einer Branche, die eine sinnvolle Aufgabe verspricht. Gleichzeitig wissen wir, dass Patienten nicht immer warten können.

Fakt ist aber: Gerade unter Medizinern und Fachkräften in medizinischen Berufen sind Burnout und Depressionen besonders verbreitet. Diese sind meist das Ergebnis einer problematischen Work-Life-Balance im Gesundheitswesen.

Eine moderne Praxis sollte sich daher auch Gedanken über die Work-Life-Balance in der Zahnarztpraxis machen. Nur so können Arbeitskraft, Freude an der Arbeit und ein gut funktionierendes Team bewahrt werden.

6 Tipps zur Verbesserung der persönlichen Work-Life-Balance

Das Gute ist: Jeder Einzelne kann persönlich viel dafür tun, die individuelle Work-Life-Balance zu verbessern. Denn das Ungleichgewicht entsteht zu einem erheblichen Anteil im Kopf.

Wir wollen Ihnen daher die 6 besten Tipps zeigen, mit denen Sie dem Prozess des zunehmenden Ungleichgewichts entgegensteuern können.

Tipp #1: Seien Sie sensibel für verschiedene Lebensabschnitte

Die Entstehung von Burnout und unausgeglichener Work-Life-Balance hat mehr mit dem persönlichen Alter und Lebensabschnitt zu tun, als Sie auf den ersten Blick vielleicht denken mögen. In der Tat aber sollten Sie unbedingt ein Gespür dafür entwickeln, wie der persönliche Lebensabschnitt Ihr Empfinden für das Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben beeinflusst.

Junge Zahnärzte und zahnmedizinische Fachangestellte sind meist besonders motiviert. Der Hauptfokus liegt auf dem Aufbau der eigenen Karriere, gleichzeitig ist noch viel Kraft für das Privatleben neben der Arbeit da. Spätestens mit der Familiengründung aber verschiebt sich der Fokus, das Privatleben wird nun bedeutsamer und kräftezehrender.

Das kann gerade bei großen Altersunterschieden innerhalb der Praxis zu Problemen führen. Besonders bei der Wahl eines Praxispartners sollten Sie darauf achten, dass Sie etwa gleiche Ziele verfolgen. Reden Sie offen und bewusst vor Vertragsunterzeichnung über die jeweiligen Vorstellungen zur Work-Life-Balance in der Zahnarztpraxis.

Tipp #2: Reflektieren Sie immer wieder neu

Damit einhergehend sollten Sie lernen, sich selbst und Ihr Leben immer wieder aufs Neue zu reflektieren. Spätestens mit dem Übergang in einen neuen Lebensabschnitt sollten Sie Ihre bisherigen Ziele überdenken und neue formulieren.

Besser noch ist es, wenn Sie in festen, regelmäßigen Abständen bewusst reflektieren, ob Ihre Ziele noch zu Ihren persönlichen Wünschen passen. Statt ohnehin meist wenig hilfreiche Vorsätze zu Neujahr zu formulieren, könnten Sie beispielsweise die Zeit vor dem Jahreswechsel nutzen, um zu überlegen, was Ihnen im neuen Jahr wohl wichtiger sein wird als zuvor und was an Bedeutung eingebüßt hat.

Tipp #3: Gestalten Sie Ihr Privatleben aktiv

Auch wenn der Arbeitsalltag als Zahnarzt häufig nicht allzu viele Freiräume lässt: Gestalten Sie die Ihnen zur Verfügung stehende Freizeit aktiv. Besteht bereits eine berufliche Überforderung, neigen wir dazu, die Freizeit nicht fest zu verplanen. Allerdings führt genau das häufig zum Gefühl, die eigenen Batterien auch in der Freizeit nicht mehr richtig aufladen zu können.

Selbstverständlich sind auch unverplante Zeiten für Müßiggang wichtig. Achten Sie dennoch darauf, feste Aktivitäten für Feierabend und Wochenende einzuplanen. Besonders wichtig: Lassen Sie soziale Aktivitäten nicht ausfallen.

Achten Sie außerdem auf einen gesunden Lebenswandel mit festen Schlafzeiten, ausreichend Bewegung und gesunder Ernährung.

Tipp #4: Gestalten Sie Ihr Leben ganzheitlich

Häufig wird in der Diskussion um Work-Life-Balance vor allem die Familie als wichtiger Privatbereich angesehen. Allerdings hat sich gezeigt, dass diese Betrachtung zu kurz gegriffen ist.

Auch hier kommt es auf den Lebensabschnitt an, doch machen Sie sich bewusst: Ihr Leben besteht aus mehr als nur Arbeit und Familie. Selbst wenn zwischen diesen Bereichen Gleichgewicht besteht, können Sie sich unausgeglichen und überfordert fühlen. Beispielsweise, weil Zeit für andere wichtige Dinge wie Freundschaften oder Hobbys fehlt.

Bedenken Sie zudem, dass Sinnsuche nur in der Arbeit für die wenigsten Menschen aufgeht. Unterschätzen Sie nicht die Bedeutung von Persönlichkeitsentwicklung und Weltanschauung und räumen Sie auch für diese Bereiche Zeit ein.

Tipp #5: Etablieren Sie hilfreiche Techniken in Ihrer Zahnarztpraxis

Der Work-Life-Balance in der Zahnarztpraxis kann es zuträglich sein, bestimmte Techniken zu etablieren. Besonders wichtig sind hierbei:

  • Techniken zur Stressbewältigung: Sie und Ihre Mitarbeiter sollten lernen, zwischen positivem und negativem Stress zu unterscheiden und konkrete Strategien für die Bewältigung negativer Stresssituationen anzuwenden.
  • Zeitmanagementtechniken: Das Management von Terminen und Aufgaben sollte mit einem fundierten Wissen zu einem entlastenden Zeitmanagement erfolgen.
  • Kommunikationstechniken: Viele Situationen im Arbeitsalltag werden erst dadurch stressig, dass nicht gut zwischen den Beteiligten kommuniziert wird. Arbeiten Sie daher aktiv an der Kommunikationskultur in Ihrer Praxis.

Tipp #6: Lassen Sie sich helfen

Last but not least: Nehmen Sie Hilfe frühzeitig in Anspruch, wenn Sie merken, dass Sie alleine nicht weiterkommen. Das können Seminare für Sie und Ihre Mitarbeiter zum Erlernen der oben genannten Techniken sein. Aber auch eine individuelle psychologische Beratung kann hilfreich sein – je früher, desto besser.

PrivatlebenAngebote für Mitarbeiter

Vergessen Sie nicht, dass Sie auch aktiv einiges für die Work-Life-Balance Ihrer Mitarbeiter tun können. Einige bewährte Methoden sind:

  • gemeinsame oder geförderte Freizeitangebote,
  • geförderte Maßnahmen zur Gesundheitsprävention,
  • Angebote rund um Sport und Bewegung,
  • Teambuilding-Maßnahmen und Förderung des sozialen Zusammenhalts in der Praxis,
  • Vergünstigungen.

Aktives Management lohnt sich

Unser Fazit darf lauten: Auch wenn es einiger Maßnahmen bedarf, um die Work-Life-Balance in der Zahnarztpraxis aktiv zu gestalten, lohnt sich dieser Aufwand. Denn das Ergebnis sind zufriedenere Mitarbeiter und Patienten und eine produktive, angenehme Arbeitsatmosphäre!